Stipendien- und Betreuungsprogramm: Wer sich wohlfühlt, lernt besser

Vom Willkommensfrühstück bis zum Friendship-Programm: Deutsche Hochschulen lassen sich viele Angebote einfallen, die Studierenden aus dem Ausland den Start zu erleichtern. Aus Mitteln des Auswärtigen Amts bietet der DAAD ihnen ein kombiniertes Stipendien- und Betreuungsprogramm (STIBET) an. Einführungsveranstaltungen oder Länderabende werden daraus ebenso unterstützt wie die fachliche Betreuung ausländischer Doktoranden. Projekte wie „Die Brücke“ in Münster setzen eigene Akzente und entfalten Signalwirkung auch auf andere Universitäten.

 

Welcher Handyvertrag ist für mich am günstigsten, was bietet der Hochschulsport an und wo kann ich ein gebrauchtes Fahrrad kaufen? Gemeinsam mit zwei deutschen Tutoren beantwortet Zoha Moztarzadeh geduldig alle Fragen. In einem kleinen Kreis sitzen sie mit internationalen Studierenden zusammen, die in diesen Tagen in Münster ein Studium beginnen. Gespannt verfolgen die Neuankömmlinge die Präsentation auf dem Laptop. Rund ums Leben in Münster erhalten sie viele wichtige Informationen, um sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden. Zoha, die vor sechs Jahren aus dem Iran nach Deutschland gekommen ist, hat sich dabei an ihre eigene Ankunft erinnert. „Ich habe mir überlegt, was für mich am Anfang wichtig gewesen wäre“, erzählt die ehrenamtliche Helferin. Weil sie eine Woche nach Semesterbeginn eintraf, hatte sie die Einführungsveranstaltungen verpasst. „Ich wusste nicht, wie ich meine Eltern anrufen sollte oder wo ich Lebensmittel kaufen kann. Selbst einfache Sachen werden schwierig, wenn man ganz alleine damit ist.“

 

Seit 55 Jahren kümmert sich „Die Brücke“ – das Internationale Zentrum der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster – um Studierende und Doktoranden aus dem Ausland und bietet ihnen einen Treffpunkt, an dem sie immer Ansprechpartner finden. Fast jeden Abend findet hier eine Veranstaltung statt. Tagsüber suchen sich Lerngruppen einen Platz in den Räumen oder man trifft sich auf einen Kaffee. Bereits zwei Mal ist das Münsteraner Projekt mit dem Preis des Auswärtigen Amts ausgezeichnet worden, der für exzellente Betreuung ausländischer Studierender an deutschen Hochschulen verliehen wird. „Wir bieten ein komplettes Betreuungsprogramm, von der Ankunft aus dem Heimatland bis hin zur Betreuung der Alumni“, sagt Brücke-Leiter Joachim Sommer. Als Teil des Akademischen Auslandsamts arbeitet „Die Brücke“ eng mit der Uni zusammen, die unter anderem Personalmittel bereitstellt. Ein Team aus deutschen und internationalen Hilfskräften leistet Unterstützung bei Ämterbesuchen und beim Ausfüllen von Formularen, organisiert Willkommensfrühstücke oder vermittelt Patenschaften zu deutschen Familien.

 

Unter dem Eindruck hoher Abbruchquoten ist die Betreuung internationaler Studierender in den vergangenen Jahren stärker ins Blickfeld gerückt. Mit dem kombinierten Stipendien- und Betreuungsprogramm STIBET stellt das Auswärtige Amt den Hochschulen Mittel für die Vergabe von Stipendien und für die fachliche und soziale Betreuung ausländischer Studierender zur Verfügung. „Gezielte Maßnahmen tragen nachweisbar zu einer Verbesserung des Studienerfolgs ausländischer Studierender bei“, sagt Stephanie Knobloch, zuständige Referatsleiterin im DAAD. 250 Hochschulen in Deutschland setzen Fördermittel aus dem STIBET-Programm ein. Stipendien für Studierende von Partneruniversitäten und für Doktoranden werden daraus ebenso bezahlt wie ausgewählte Maßnahmen, die Anreize für eine bessere Zusammenarbeit verschiedener Einrichtungen schaffen. Seit 2006 gibt es  außerdem eine eigene STIBET-Programmschiene für ausländische Doktoranden, die an vielen Universitäten während der Promotionszeit Module zur Lehr- und Forschungserfahrung fördert.

 

Text: Gunda Achterhold/Societäts-Medien

 

 

Zahlen und Fakten

Mit einem Budget von 9,3 Millionen Euro unterstützt der DAAD 2011 die Betreuung ausländischer Studierender und Doktoranden an deutschen Hochschulen. // Das Programm STIBET wurde 2001 aus Mitteln des Auswärtigen Amts geschaffen. // Für STIBET legte der DAAD zwei bestehende Programmlinien zusammen und erweiterte ihren finanziellen Rahmen deutlich. // Seit 2006 existiert eine eigene Programmschiene für ausländische Doktoranden, die Module zur Lehr- und Forschungserfahrung fördert. // 250 Hochschulen in Deutschland beteiligen sich an dem STIBET-Programm.