Wirtschaft des Libanon

Der Libanon hat eine lange Tradition als Handelsnation. Dabei kommt dem Land eine liberale Wirtschaftsordnung ebenso zustatten wie die vielfältigen Verbindungen ins Ausland – vor allem aufgrund der zahlreichen Auslandslibanesen.

Wirtschaftsentwicklung

Der Bürgerkrieg hat erhebliche wirtschaftliche Schäden verursacht und die Rolle des Landes als Drehscheibe für Handel und Dienstleistungen im Nahen Osten nachhaltig beeinträchtigt. Die Nachkriegswirtschaft ab 1991 stand ganz im Zeichen des Wiederaufbaus, wobei insbesondere die Innenstadt von Beirut so wieder hergestellt wurde, dass heute Kriegszerstörungen kaum noch sichtbar sind.

Der Krieg mit Israel im Jahr 2006 setzte der libanesischen Wirtschaft erneut zu. Mit Hilfe internationaler Gelder konnte die weitgehend zerstörte Infrastruktur wieder aufgebaut werden. Die Regierung verkündete 2007 ein Konjunkturprogramm zur Erhöhung der Beschäftigungsquote und von Investitionen. Als Teil dieses Programms wurden öffentliche Projekte unter Anderem in den Bereichen Wasser- und Energieinfrastruktur beschleunigt. Auch von den Folgen der Weltwirtschaftskrise konnte sich der Libanon rasch erholen, nicht zuletzt dank seines starken Bankensektors und der Kapitalüberweisungen von Millionen von Auslandslibanesen (ca. 8 Mrd USD pro Jahr). In den Jahren 2009 und 2010 wuchs das BIP um 7 bis 8 Prozent, vor allem weil die Tourismussaison alle Erwartungen übertraf.

2011 und 2012 sank das Wachstum wieder auf 1,5% bzw. 1,2%, teilweise in Folge der Krise im Nachbarland Syrien (Einbrüche vor allem im Tourismus- und im Exportsektor). Nach Angaben der libanesischen Regierung büßte der Libanon in den Jahren 2012 und 2013 ein potentielles Wachstum von 7 Mrd USD aufgrund der regionalen Entwicklungen ein. Für 2013 wird erneut ein Wachstum von 1,5% prognostiziert.

Derzeit liegt das libanesische BIP bei 43 Mrd USD (2012). Der Dienstleistungssektor (insb. Tourismus, Kreditwirtschaft, Bausektor) leistet traditionell Dreiviertel des BIP, gefolgt von der Industrie (ca. 20%) und der Landwirtschaft (ca. 5%).

Haushalt

Für 2013 legte die Regierung einen Haushaltsentwurf von 15 Milliarden US-Dollar vor. Doch seit 2006 werden keine Haushaltsbudgets vom Parlament beschlossen. Der libanesische Haushalt weist seit Jahren ein strukturelles Defizit von circa 20% des BIP auf. Bemühungen um höhere Effizienz beim Steuereinzug und um Personalabbau im Öffentlichen Dienst konnten das Haushaltsdefizit bisher nicht reduzieren. 2002 wurde die Mehrwertsteur auf 10% angehoben.

Der Schuldendienst macht ca. 40 Prozent der Staatsausgaben aus, gefolgt von den Subventionen für den staatlichen Energieversorger „EdL“ und von den Löhnen für den öffentlichen Sektor. Mit 135% vom BIP ist die Staatsverschuldung eine der höchsten der Welt. Von den ca. 60 Mrd USD Schulden sind knapp die Hälfte Auslandsschulden. Der Staat hat gegenwärtig keine Probleme, seine Schulden zu refinanzieren (die Staatsreserven lagen 2012 bei ca. 35 Mrd. USD). Dem Parlament liegt ein Entwurf zur Anhebung der Löhne im öffentlichen Sektor vor, der 2012 auf Druck der Gewerkschaften von der damaligen Regierung Najib Mikatis beschlossen wurde. Belastet wird der libanesische Haushalt außerdem durch die Zusatzausgaben für die syrischen Flüchtlinge im Land. Nach Angaben der libanesischen Regierung beliefen sich diese Zusatzausgaben im November 2013 auf 1,5 Mrd USD.

Die hohe Staatsverschuldung belastet auch die Kreditvergabe an die Privatwirtschaft. Ausländische Investitionen fließen hauptsächlich in Immobilien (vornehmlich Investoren aus den Golfstaaten) und in den Erwerb von Anleihen und Wertpapieren. Mehrfach angekündigte Privatisierungen - in erster Linie in den Bereichen Telekommunikation und Elektrizität -, deren Erlös ausschließlich zum Schuldenabbau eingesetzt werden sollte, wurden immer wieder verschoben. Eine Sanierung des staatlichen Stromversorgers EDL ist nicht abzusehen.

Gas- und Ölressourcen

Große Hoffnungen verknüpft der Libanon derzeit mit den vor der libanesischen Küste vermuteten Erdgas- und Erdölreserven (auf 30 Billionen Kubikfuß Gas und 660 Millionen Barrel Öl geschätzt). Die erste Lizenzvergaberunde wurde 2012 eröffnet, es ist jedoch ungewiss, ob die ersten Lizenzen wie geplant 2014 vergeben werden können. Es werden regelmäßig internationale Konferenzen zum Gas- und Ölsektor in Beirut veranstaltet.

Außenhandel

Der Libanon weist eine negative Handelsbilanz aus. Im Jahr 2012 wurden Waren im Wert von 19,4 Mrd. USD importiert (vor allem Erdölerzeugnisse, Kraftfahrzeuge, elektrische Maschinen, chemische Erzeugnisse, Kleidung, Fleisch und lebende Tiere, Konsumgüter, Papier, Textil-Gewebe und Tabak). Exportiert wurden dagegen nur Waren im Wert von 4,1 Mrd USD.

Aus Deutschland importiert der Libanon vor allem Kraftwagen und Kraftwagenteile, Maschinen, chemische und pharmazeutische Erzeugnisse. Dieses Importvolumen betrug im Jahr 2012 862,2 Mio. -Euro-. Deutschland ist somit regelmäßig der 4- oder 5-größte Importpartner für den Libanon, nach den USA, Italien, China und Frankreich. Nach Deutschland exportiert der Libanon dagegen nur Waren im Wert von 47,1 Mio. Euro (ca. der 17. Platz).

Der Großteil des libanesischen Exports wird traditionell über das syrische Nachbarland abgewickelt (Exportroute in die Golfstaaten). Der Ausbruch der Kämpfe in Syrien und die regelmäßigen Schließungen der Grenzübergänge zu Jordanien und Irak erschwerten diesen Export erheblich. Die Investment Development Authority richtete alternative Seerouten ein und subventionierte sie. Sie blieben zwar für viele Landwirte zu teuer, hatten aber einen positiven Nebeneffekt für den Beiruter Hafen zur Folge (Wachstum von 24% im ersten Halbjahr 2013). Einige Industriebranchen aus dem Libanon verzeichnen ebenfalls Wachstumsraten, da sie Waren exportieren, die syrische Produkte in Syrien selbst und im Ausland substituieren (z.B. Lebensmittel und Verbrauchsmaterialien).